Eine typisch englische rote Telefonbox in London.

2019 führte uns unser Sommerlager zurück zu den Wurzeln der Pfadfinderei: Nach England. Hier gründete Robert Stephenson Smyth Baden-Powell 1907 die weltweite Bewegung. Für uns war dieses Lager eine Besonderheit, denn ausnahmsweise reisten wir mit dem Flugzeug zu unserem Ziel. Entsprechend erwartungsvoll trafen sich 49 Pfadfinder*innen am 03. August am Münchner Flughafen, um die Reise anzutreten. Besonders das Reisen mit Minderjährigen stellte das Leitungsteam vor Herausforderungen, da dafür spezielle Einverständniserklärungen nötig waren. Doch auch die vielzähligen Hürden von der Gepäckaufgabe über die Sicherheitskontrollen und das Nicht-Verloren-Gehen am Flughafen konnten gemeistert werden und wir konnten nach Heathrow fliegen. Dort holte uns ein Bus ab und brachte uns an unseren Lagerplatz „Skreens Park Activity Center“ in Essex. Dort warteten schon unser Transport AK, der unsere Zelte und andere wichtige Materialien mit dem Jugendbus und Fährüberfahrt dorthin gebracht hatte. Schnell standen unsere Zelte und der erste Abend am Lagerfeuer konnte für uns kommen.

Unser Lager stand in diesem Jahr unter einem besonderen Motto: Harry Potter. Und wie es sich für eine gute Zauberschule in England gehört, wurden die Kinder am nächsten Morgen in die vier Häuser Aureum, Dracaris, Gryphonis und Incendor eingeteilt. Dies geschah natürlich durch den Sprechenden Hut unter der strengen Aufsicht von Prof. Dumbledore. Anschließend lernten sich die Gruppen untereinander kennen und entwickelten eigene Erkennungsmerkmale, wie Taschen oder Accessoires für das Halstuch. Anschließend mussten natürlich noch die Zauberstäbe gefunden und verschönert werden, wie es sich für gute Zauberschüler*innen gehört. Viel Freizeit und ein Lagerfeuerabend rundeten den Tag ab.

Am Montag folgte die erste Exkursion von allen nach Chelmsford. Eine Stadtrallye brachte die Gruppen zur Kathedrale von Chelmsford und zum Hyland House, wo 2007 das World Scout Jamboree, also das zentrale Treffen der internationalen Pfadfinder*innenbewegung, zum 100-jährigen Jubiläum stattfand. Am Nachmittag erkundeten wir unseren Lagerplatz genauer bei einem Geländespiel. Am Dienstag folgten dann Unterrichtseinheiten, in der die Schüler*innen klassische Felder der Zauberei erkunden durften. So konnten aus Teesatz und Tarotkarten die Zukunft im Fach Wahrsagen erkundet werden und die Fähigkeiten der Zauberkunst auf Vordermann gebracht. Auch Schrumpfköpfe wurden in Kräuterkunde gezogen und waren teils bis zum Ende des Lagers mit Kresse überzogen.

In die Hauptstadt Englands, zum Sitz des Ministeriums für Zauberei und der Winkelgasse, nach London zog es uns am Mittwoch. Ein angemieteter Bus brachte uns bis ins Stadtzentrum. Von Black Friars ging es über die Southbank am London Eye vorbei über die Westminster Bridge zum Parliament Square Garden. Von dort ging es an 10 Downing Street vorbei durch die Horse Guard Parade zu einer kleinen Mittagspause in den St. James Park. Von dort ging es über die Mall zum Buckingham Palace, wo wir Zeit zum Erkunden und ausgiebigem Fotografieren eingeplant hatten. Auch entstand unser Gruppenbild dort. Von dort aus gingen wir zum Trafalgar Square. Dort angekommen teilten wir uns in verschiedene Gruppen, je nach Interesse auf. Einige besuchten Covent Garden, andere erkundeten Leicester Square. Eine Gruppe verblieb auf BPs Spuren und besuchten das Baden-Powell House, das eine kleine Ausstellung und eine Statue des Gründers zeigte.

Der Donnerstag stand unter dem Motto „Dumbledores Armee“. Wie im fünften Schuljahr von Harry Potter standen die Schüler*innen nun vor der Herausforderung, einen spannenden Tag zu gestalten. Sie entschieden sich dafür, eine Schnitzeljagd für die Leiter zu erstellen und einen Bunten Abend zu gestalten. Der Tag kam auch bei den Lehrer*innen gut an, die sich für den bunten Abend eigens einen Rap ausdachten, den sie zum Besten gaben. Von Freitag auf Samstag folgte eines der Highlights des Lagers: der Hike, also eine ausgedehnte Wanderung (meist) mit Übernachtung außerhalb des eigentlichen Lagerplatzes. Die Wölflinge machten ein Ausflug über Wiesen und Felder zur nahe gelegenen Ortschaft Roxwell, bereiteten sich auf ihr Versprechen vor und übernachteten am Lagerplatz. Am nächsten morgen konnten sie noch die Angebote des Platzes nutzen und mit Kett-Cars Parcours fahren. Die Jupfis unternahmen eine 23 km lange Wanderung, um zu einer Burgruine in Chipping Ongar zu kommen und in einem kleinen Wald zu übernachten. Dieser Plan wurde jedoch durch das nasse englische Wetter zunichte gemacht und sie wurden mit unserem Transporter gerettet. Die Pfadis liefen zu Fuß nach Chelmsford und hatten dort ein wenig Freizeit, anschließend wollten sie beim Hyland House übernachten, entschlossen sich aber aufgrund des herannahenden Unwetters dagegen. Sie liefen zurück zum Platz und retteten im Verlauf des Abends noch die Jupfis. Die Rover konnten ihren finanziellen Vorteil vom Cocktail-Verkauf am Poinger Straßenfest nutzen und gingen nach Roxwell, von wo aus sie den Bus nach Chelmsford nahmen. Dort stiegen sie in die Bahn und fuhren über Colchester nach Wivenhoe am Fluss Colne. Diesem folgten sie flussabwärts nach Brightlingsea, wo dieser in die Nordsee abfließt. In diese sprangen die Rover gleich hinein. Am Abend legten zwei Rover bei stürmischen Wind am Strand ihr Versprechen ab und als einzige Gruppe übernachteten die Rover dann in den Dünen. Am nächsten Tag folgte eine Wanderung nach Clacton-on-Sea, von wo aus die Rückreise wieder mit Bus und Bahn erfolgte.

Am Samstag konnte dann die übrige Zeit für Versprechensvorbereitung in den jeweiligen Stufen oder zur Freizeit genutzt werden. Am Abend legten dann Wölflinge, Jupfis und Pfadis ihre Versprechen in einer Stammesversprechensfeier ab. Die Strapazen der Hikes wurde dann ordentlich am Sonntag am Wellnesstag auskuriert. Dazu gab es wieder Hot Stones Massagen, es konnten Halstuchknoten aus Paracord geflochten werden, es gab Tee und Spiele, Mani-/Pediküre und als besonderes Highlight: Sushi selbst machen. Mit der rückgewonnenen Kraft konnte dann das Nachtgeländespiel umso besser gespielt werden. Am Montag besuchte der Stamm noch den Ort Southend-On-Sea, wo der Pier und die kleine Innenstadt besucht werden konnte. Ein paar wenige Mutige stürzten sich sogar in die an diesem Tag regnerisch-kalte Nordsee. Das geplante Quidditch Turnier am Nachmittag fiel allerdings noch aus. An diesem letzten Abend wurde, wie immer am Ende des Schuljahres, der Hauspokal verliehen, den das Haus Gryphonis gewann.

Am letzten Tag folgte dann der Abbau aller Zelte und das Zusammenpacken des Gepäcks. Wieder holte uns ein Bus am Lagerplatz ab und fuhr uns nach Heathrow, wo wir uns den üblichen Kontrollen stellten und letztlich glücklich und erschöpft in den Flieger stiegen. Am Münchner Flughafen erreichte einige von uns noch die nervige Nachricht, dass ihr Gepäck wohl nicht in das richtige Flugzeug geladen wurden. Da waren wir glücklich, dass dies nur auf der Heimreise passierte und zuhause ein Kleiderschrank wartete. Am Flughafen erwarteten uns die gespannten Eltern und wir konnten alle wieder wohlbehalten nach Hause fahren. Für unseren Vortrupp, der die Zelte im Transporter nach England gefahren hatte, endete die Reise erst am Folgetag, wo mit vereinten (Leiter*innen-)Kräften die Materialien ausgeladen wurden. So haben wir unsere Reise auf den Spuren Harry Potters aber natürlich auch BPs erfolgreich hinter uns gebracht.

Gut Pfad

Categories:

Comments are closed

Neueste Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.